21.5.2026

Lobbying – wie Schweizer Nonprofit-Organisationen wirksam Einfluss nehmen

Was Lobbying bedeutet, welche Formen es gibt und wie Verbände und Nonprofit-Organisationen ihre Anliegen gezielt platzieren können

Was ist Lobbying?

Lobbying wird oft mit informellen Treffen, persönlichen Kontakten oder dem direkten Draht nach Bern verbunden. Tatsächlich ist Lobbying aber weit mehr als Networking. Es ist vor allem strategische Interessenvertretung: das strukturierte Einbringen von Anliegen gegenüber Politik, Verwaltung und anderen relevanten Anspruchsgruppen.

Für Schweizer Nonprofit-Organisationen bedeutet Lobbying, sich aktiv in politische Prozesse einzubringen, damit ihre Perspektiven in Gesetzgebungen, Verordnungen und politischen Debatten berücksichtigt werden. Gerade Organisationen, die gesellschaftliche, soziale oder gesundheitspolitische Anliegen vertreten, sind darauf angewiesen, frühzeitig wahrgenommen zu werden und ihre Positionen fundiert einzubringen.

Welche Formen von Lobbying gibt es?

Grundsätzlich lässt sich zwischen reaktivem und proaktivem Lobbying unterscheiden.

Reaktives Lobbying setzt dann ein, wenn politische Vorlagen bereits auf dem Tisch liegen. Ein klassisches Instrument ist die Stellungnahme im Rahmen von Vernehmlassungen, etwa bei Gesetzesrevisionen auf kantonaler oder nationaler Ebene. Organisationen können dabei ihre Position schriftlich einbringen und konkrete Anträge formulieren. Besonders wirksam wird dieses Vorgehen, wenn sich mehrere Organisationen frühzeitig abstimmen und ähnliche Forderungen gemeinsam vertreten.

Proaktives Lobbying beginnt früher. Es zielt darauf ab, Anliegen bereits vor einer Gesetzes- oder Verordnungsrevision in politische Prozesse einzuspeisen. Dazu gehört der regelmässige Austausch mit Behörden, Ämtern oder politischen Entscheidungsträger:innen. Ziel ist es, Forderungen so früh und so überzeugend zu platzieren, dass sie im Idealfall bereits in eine Vorlage einfliessen.

Auf legislativer Ebene stehen Instrumente wie Motionen, Postulate, Interpellationen und parlamentarische Initiativen zur Verfügung – allerdings nicht als direkte Werkzeuge von Nonprofit-Organisationen, sondern als Instrumente von Parlamentsmitgliedern. Für Verbände und Organisationen geht es darum, politische Verbündete zu finden und zu überzeugen, solche Vorstösse einzureichen oder zu unterstützen. Wer die richtigen Personen im Parlament kennt und ihnen gut aufbereitete Argumente liefert, kann so indirekt auf den legislativen Prozess einwirken.

Auf exekutiver Ebene geht es um proaktive Anschreiben, das Formulieren und Begründen von Forderungen, den mündlichen Austausch und den kontinuierlichen Kontakt mit Behörden.

Was sollen Schweizer Nonprofit-Organisationen tun?

Wie also können Schweizer Nonprofit-Organisationen und Verbände ihre Anliegen wirksam vertreten, auch wenn sie nicht über grosse Budgets oder eigene Public-Affairs-Abteilungen verfügen?

  • Verstehen Sie die politischen Prozesse. Wer Einfluss nehmen will, muss wissen, wie politische Entscheidungen auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene entstehen. Nur so lassen sich Themen zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort einbringen.
  • Denken Sie auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Viele politische Themen werden nicht nur in Bern entschieden. Gerade für Schweizer Nonprofit-Organisationen ist die kantonale und kommunale Ebene oft ebenso wichtig.
  • Warten Sie nicht nur auf Vernehmlassungen. Wirksames Lobbying beginnt oft lange vor einer konkreten Vorlage – im Austausch mit Behörden, Ämtern und politischen Schlüsselpersonen.
  • Bereiten Sie Forderungen fundiert auf. Anliegen müssen klar formuliert, begründet und strategisch koordiniert werden. Gute Lobbying-Arbeit basiert auf fachlicher Substanz, nicht auf Lautstärke.
  • Bilden Sie Allianzen. Gerade kleinere Nonprofit-Organisationen gewinnen an Wirkung, wenn sie sich mit Partnerorganisationen, Netzwerken, Arbeitsgruppen oder Soundingboards vernetzen. Gemeinsame Positionen erhöhen die Sichtbarkeit und schaffen einen Multiplikatoreffekt.
  • Nutzen Sie verschiedene politische Instrumente. Neben Stellungnahmen in Vernehmlassungen können auch parlamentarische Vorstösse, persönliche Gespräche, schriftliche Eingaben oder die Zusammenarbeit mit politischen Verbündeten sinnvoll sein. Entscheidend ist, das passende Instrument für das jeweilige Ziel zu wählen.
  • Nutzen Sie digitale und mediale Kanäle. Öffentliche Sichtbarkeit kann politische Prozesse beschleunigen. Medienbeiträge, Social-Media-Kampagnen oder Petitionen schaffen Aufmerksamkeit für Ihr Anliegen – und signalisieren Entscheidungsträger:innen, dass ein Thema gesellschaftlich relevant ist. Digitale Kanäle eignen sich zudem, um Mitglieder, Unterstützende und die Öffentlichkeit zu mobilisieren und so den Rückhalt hinter einer Forderung sichtbar zu machen.
  • Bleiben Sie dran. Lobbying ist selten ein einmaliger Vorstoss. Oft braucht es Ausdauer, wiederholte Kontaktpflege und kontinuierliche Präsenz. Oder anders gesagt: Steter Tropfen höhlt den Stein.